27. Januar – ein Tag der Erinnerung

Seit 1996 ist der 27. Januar nationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Seither rücken neben den Juden auch kleinere Opfergruppen wie Sinti und Roma, Slawen, Zeugen Jehovas, Zwangsarbeiter, Homosexuelle, Kranke und Behinderte wieder vermehrt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Der Widerstand von Jehovas Zeugen zeichnet sich dabei durch ein bemerkenswertes Detail aus. Dazu Werner Rudtke, Präsidiumssprecher der Religionsgemeinschaft: „Sie hatten als einzige Gruppe unter all den Verfolgten die Möglichkeit, durch eine Unterschrift freizukommen. Man hat den Zeugen eine Erklärung vorgelegt. Hätten sie diese unterschrieben, stellte man ihnen in Aussicht, freigelassen zu werden. Doch den Zeugen war der Glaube mehr wert als ihr eigenes Leben.“

Trotzdem ist ihre Verfolgungsgeschichte vielen Menschen nach wie vor unbekannt. Von den rund 25 000 Zeugen Jehovas in Deutschland wurden ca. 10 700 von den Nationalsozialisten unmittelbar verfolgt, etwa 8 800 wurden inhaftiert, 2 800 von ihnen kamen ins KZ, wo sie als einzige Religionsgemeinschaft mit einem eigenen Häftlingsabzeichen stigmatisiert wurden: mit dem lila Winkel. Das NS-Regime sah sich außerstande, ihre vehemente Wehrdienstverweigerung und ihr öffentliches Missionswerk zu tolerieren. Da verwundert es nicht, dass der erste öffentlich hingerichtete Kriegsdienstverweigerer, August Dickmann (geb. 7. 1. 1910), ein Zeuge Jehovas war — der erste von 370 Wehrdienstverweigerern, die für ihre christliche Überzeugung als Zeugen Jehovas ihr Leben ließen. Sein Schicksal wird neben vielen weiteren auf den 50 Tafeln der Wanderausstellung „Standhaft trotz Verfolgung ― Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime“ dokumentiert. Seit 1996 haben bereits über 660 000 Menschen in Deutschland diese nachdenklich stimmende Ausstellung besucht (weltweit: fast 6 Millionen). Auf diese Weise dient die Ausstellung ganz im Sinne des 27. Januar dem Ziel, die Erinnerung an einen bemerkenswerten Widerstand aus christlicher Überzeugung wachzuhalten.