Gewalt gegen Zeugen Jehovas in Indien eskaliert

Polizei unterstützt Pöbelangriffe

BANGALORE, Indien — Die fortgesetzte Gewalt und die Angriffe gegen Jehovas Zeugen in Indien belegen die Feindseligkeit des Landes gegen seine eigenen christlichen Bürger. In Madikeri (Bundesstaat Karnataka) hat selbst die Polizei wiederholt illegale Pöbelangriffe auf Zeugen Jehovas unterstützt. Das Motiv für die Übergriffe: religiöse Intoleranz.
Am 6. Dezember 2011 wurden drei Zeugen Jehovas — ein Mann, seine Nichte und eine weitere Frau — an einer Bushaltestelle von einem Mob angegriffen. Der Pöbel trat auf den Mann ein und bearbeitete ihn mit Fäusten, offenbar aus Rache dafür, dass er nach einem früheren Pöbelangriff zu seinem Schutz die Menschenrechtskommission angerufen hatte. Bei dem vorigen Angriff hatte der Mob ihn geschlagen, ihm die Kleider vom Leib gerissen und ihn fälschlicherweise der Blasphemie beschuldigt. Diesmal, so das Opfer, beschimpfte man ihn mit beleidigenden und unflätigen Worten. Er habe seine Lektion aus dem letzten Angriff offenbar nicht gelernt. Das bedeutet, dass er den neuerlichen Angriff dem Umstand zu verdanken hat, dass er damals die Polizei gerufen und die Menschenrechtskommission um Hilfe gebeten hatte. Die Angreifer verschleppten alle drei Zeugen Jehovas zu einem Tempel in der Nähe, um sie zu „bekehren“. Sie versuchten den Frauen unter Anzüglichkeiten die Kleider vom Leib zu reißen.
Als die Polizei kam, nahm sie die drei Zeugen Jehovas mit auf die Wache und erstattete Anzeige gegen die Opfer und nicht gegen den Mob, der so offensichtlich gewalttätig und ungesetzlich vorgegangen war. Die beiden Frauen entließ man gegen Kaution erst nach sechs Nächten im Gefängnis. Der Mann befindet sich noch immer in Haft. Später, am Abend des 6. Dezember, begleitete die Polizei denselben Mob zu dem örtlichen Kirchengebäude von Jehovas Zeugen, zwang den Vermieter zur Herausgabe des Schlüssels und gestattete dem Pöbel dann, die religiöse Literatur von Jehovas Zeugen nach draußen zu schaffen und öffentlich zu verbrennen. Darüber berichteten auch die lokalen Medien. Am Tag danach kehrte die Polizei in das für die Gottesdienste genutzte Gebäude zurück und konfiszierte alle noch vorhandene Literatur (einschließlich der Bibeln) sowie die Lautsprecheranlage.
Jehovas Zeugen bemühen sich weiterhin darum, ihre Glaubensbrüder in Indien mit juristischen Mitteln zu schützen. „Die bedauerlichen und schockierenden Pöbelangriffe auf Zeugen Jehovas müssen aufhören“, kommentierte J. R. Brown, ein Sprecher von Jehovas Zeugen in ihrer Weltzentrale in New York, die Vorfälle. „Dass die Behörden in Indien solche Übergriffe auf eine christliche Religionsgemeinschaft gestatten und sogar aktiv unterstützen, ist unentschuldbar — zumal Jehovas Zeugen weltweit als friedliche und gesetzestreue Bürger bekannt sind.“