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Jehovas Zeugen dokumentieren über 1 000 Vorfälle religiöser Intoleranz nach wegweisendem Gerichtsurteil
SANKT PETERSBURG — „Inzwischen werden aufgrund dieses Urteils, so fürchte ich, Intoleranz und Hass dem einzelnen Zeugen Jehovas gegenüber Vorschub geleistet“, erklärte seinerzeit der Rechtsanwalt Arli Tschimirow nach dem Urteil des Obersten Gerichts der Russischen Föderation am 8. Dezember 2009. Die Sorge, die Jehovas Zeugen um die Zukunft der Religionsfreiheit in Russland haben, erweist sich als gut begründet: In den 2 Jahren seit jener Entscheidung haben Jehovas Zeugen mehr als 1 000 Übergriffe in ganz Russland dokumentiert und online veröffentlicht. Eine interaktive Karte und eine chronologische Liste bieten einen Überblick über die jeweiligen Orte und den genauen Verlauf all dieser Vorfälle. Durch das damalige Urteil wurde die lokale Rechtskörperschaft von Jehovas Zeugen in der Stadt Taganrog aufgelöst; man stufte 34 ihrer Publikationen als „extremistisch“ ein. Das führte zur Konfiszierung des örtlichen Kirchengebäudes von Jehovas Zeugen in Taganrog. Die daraus folgende steigende Zahl von Übergriffen geht sowohl auf das Konto offizieller Stellen als auch auf das der allgemeinen Bevölkerung. Regierungsbehörden, darunter lokale Polizeibeamte und Vertreter städtischer Behörden, haben 94 Hausdurchsuchungen durchgeführt, über 120 religiöse Zusammenkünfte gesprengt und Zeugen Jehovas in ihrem wohlbekannten Bemühen, mit anderen über die Bibel zu sprechen, in über 500 Fällen behindert. Diese Behinderungen führten zu 420 Festnahmen und/oder Inhaftierungen. Was Übergriffe durch russische Bürger betrifft, so wurden 75 individuelle Angriffe gezählt sowie 62 Fälle von Vandalismus (einschließlich Brandanschlägen auf religiöse Gebäude) und mehrere Fälle religiöser Diskriminierung durch Arbeitgeber und Lehrer. Vasily Kalin aus dem russischen Verwaltungszentrum von Jehovas Zeugen beschreibt die gegenwärtige Situation: „Russische Behörden beteiligen sich an Schikane und Einschüchterung, um Jehovas Zeugen und ihre Aktivitäten zu unterdrücken. Die öffentliche Verleumdung von Jehovas Zeugen durch die Medien und die Behörden ist nun gängige Praxis mit dem Ziel, sie an den Rand der Gesellschaft zu drängen.“ Da es die innerstaatlichen Gerichte in Russland bisher versäumt haben, grundlegende Menschenrechte ihrer Bürger zu schützen, haben sich Jehovas Zeugen an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gewandt. Sie hoffen, dass dieser ihren Antrag, die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Fall Taganrog zu prüfen, bald bearbeiten wird. |